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Franzosen
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Franzosen sind eine romanischsprachige Titularnation im Westen Europas.cite-ref-wahl-1-0[1]cite-ref-stegner-2-0[2] Zusammen mit anderen romanischsprachigen und nicht-romanischsprachigen Minderheiten bilden sie das Staatsvolk Frankreichs. Einige Minderheiten in Frankreich sehen sich in ethnischer Hinsicht als Bretonen, Okzitanier,cite-ref-3[3] ElsĂ€sser, Katalanen, Basken oder Korsen. Sie beanspruchen damit fĂŒr ihre jeweilige Gruppe den Status einer eigenen ethnischen Gruppe und grenzen sich auf diese Weise von der Titularnation der âFranzosenâ im ethnischen Sinne ab. Vielfach handelt es sich aber auch um MehrfachidentitĂ€ten.cite-ref-wahl-1-1[1]
Contents
âą Religion
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Französische Ethnogenese
Siehe auch
:
Geschichte Frankreichs
Moderne Mythen ĂŒber antike Vorfahren
Der französische Nationalmythos beginnt bereits mit den Kelten (Gallier), jenem indoeuropĂ€ischen Stamm, der sich am frĂŒhesten gelöst hatte und am weitesten nach Westen vorgedrungen war, und in den fĂŒnf Jahrhunderten bis zur Eroberung durch Caesar (seit 58 v. u. Z.) eine eigene Kultur entwickelt hatte. Zu den mĂ€chtigsten StĂ€mmen gehörten die Arverner im Gebirgsland der Auvergne und die Ăduer zwischen SaĂŽne und Loire.cite-ref-diercke-4-0[4]cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Die indoeuropĂ€ischen Kelten hatten zuvor die Urbevölkerung (z. B. Ligurer) in den SĂŒden abgedrĂ€ngt, nur ein Zweig der Iberer, die Aquitaner, hat sich bis heute in geringen Resten in den westlichen TĂ€lern der PyrenĂ€en erhalten. Der Name Gascogne (vasconia) erinnert an die frĂŒhere weitere Ausbreitung der Basken, die in Frankreich aber nicht â wie in Spanien â ihre nationale Sonderstellung bewahrt haben.
Nach der römischen Eroberung hatte sich der GroĂteil des keltischen Adels akkulturisiert bzw. assimiliert, groĂe Teile der keltischen Bevölkerung waren daraufhin mit Römern zu einer galloromanischen Bevölkerung verschmolzen oder zumindest vermischt und romanisiert. Sie genossen römische BĂŒrgerrechte und waren spĂ€testens im 4. Jahrhundert christianisiert worden.
âGallien wurde rasch romanisiert, nach zwei Generationen fĂŒgten gallische Edle ihrem keltischen einen römischen Namen hinzu. Vercingetorix, im romanisierten Gallien ein keltischer Barbar, wurde vergessen und erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt.âcite-ref-7[7]
Ein Nationaldenkmal fĂŒr den legendĂ€ren GallierfĂŒrsten Vercingetorix wurde erst 1864 von Napoleon III. errichtet, seine trotzige Kapitulation vor Caesar wurde nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) zum nationalen Mythos ĂŒberhöht.
Vermischungen der Völkerwanderungszeit
Die christianisierte galloromanische Bevölkerung wurde im Zuge der Völkerwanderung im SĂŒdosten zunĂ€chst von Burgundern, im SĂŒdwesten von Westgoten und allesamt schlieĂlich von salischen Franken (auch toxandrischen) Franken unterworfen. Dieser Stamm hatte sich um 420 von den ripuarischen Franken um Köln gelöst und soll der Legende nach unter Faramund in das heute belgische und nordfranzösische Gebiet gewandert sein. Der Sieg der Franken ĂŒber die Alemannen in der Schlacht von ZĂŒlpich wurde spĂ€ter im Louvre als Beginn der französischen Geschichte herausgestellt. Die Franken waren ihrerseits allerdings selbst ein buntes Gemisch âfreierâ StĂ€mme. GegenĂŒber sechs bis zehn Millionen unterworfener Galloromanen zĂ€hlte die Oberschicht der frĂ€nkischen Eroberer nur einige Hunderttausend,cite-ref-8[8] mit der (katholischen) Taufe des Frankenkönigs Chlodwigs (um 500) verband sie sich mit dem einheimischen Adel, allmĂ€hlich bildete sich eine neue Mischbevölkerung heraus. Zu den germanischen Völkern der Völkerwanderung kamen ab dem 10. Jahrhundert noch die Normannen in der Normandie hinzu. Bei diesen zeigte sich die AssimilationsfĂ€higkeit der galloromanischen Mehrheit am deutlichsten: Innerhalb weniger Generationen waren die Normannen ganz in ihr aufgegangen und francophone Normannen eroberten England sowie SĂŒditalien.
Die ebenfalls im Rahmen der Völkerwanderung erst im 5. Jahrhundert eingewanderten, nichtromanischen (keltischen) Bretonen behielten ihre kulturelle Eigenart und IdentitÀt hingegen bis heute bei.
Im Zuge der Ausbildung eines katholischen Universalreiches unter Karl dem GroĂen hatte die galloromanische Kultur eine kosmopolitische PrĂ€gung erhalten. Nach der Teilung des Reiches 843 zeigte sich zum ersten Mal die Einheit der galloromanischen Nation im Aufkommen der neuen Sprache.cite-ref-diercke-4-1[4] Im Norden und Osten fiel der GroĂteil des einstigen Siedlungsgebiets der germanischen Franken bei der Reichsteilung an das Ostfrankenreich (das spĂ€tere Deutschland), im Westfrankenreich (das spĂ€tere Frankreich) dominierte das Galloromanische. Bis ins 10. Jahrhundert wurde jedoch zumindest ideell sowohl von karolingisch-westfrĂ€nkischen als auch von ostfrĂ€nkischen Herrschern an der Reichseinheit festgehalten, die Entstehung des ersten französischen Staates wird daher von den meisten Historikern erst mit der Königskrönung Hugo Capets (987) angesetzt.
Nation und Nationalstaat im Mittelalter
Die Vermischung von Franken und Galloromanen war von Nord nach SĂŒd in unterschiedlich intensivem MaĂe erfolgt. Im SĂŒden gab es noch eine Zeitlang burgundische und gotische, im Norden und Osten frĂ€nkische Siedlungsreste. Zudem bildete SĂŒdfrankreich noch um 1000 eine romanische SprachbrĂŒcke eher nach Spanien (Okzitanier, Katalanen) als nach Nordfrankreich. Diese Unterschiede wurden durch die zwischenzeitliche SchwĂ€che des Pariser Königtums gegenĂŒber regionalen Herzögen und spĂ€ter gegenĂŒber englischen Königen gefördert.
Im Ergebnis mehrerer SchlĂŒsselereignisse des Mittelalters bildete sich schlieĂlich eine französische Nation bzw. ein frĂŒher Nationalstaat heraus
âą durch den kombinierten Angriff des deutschen Kaisers Heinrich V. und des englischen Königs Heinrich I. 1124 entstand erstmals ein französisches NationalgefĂŒhlcite-ref-10[10], seit 1140 (Historia Karoli Magni et Rotholandi) setzte sich Francia statt Gallia als Selbstbezeichnung des gesamten Königreichs durch.cite-ref-11[11] AndrĂ© Maurois setzt die Geburt der nationalen Gemeinschaft mit dem Sieg bei Bouvines 1214 an.cite-ref-12[12]
âą wĂ€hrend der KreuzzĂŒge kĂ€mpften Nordfranzosen und SĂŒdfranzosen gemeinsamcite-ref-13[13], ihr AnfĂŒhrer Ludwig der Heilige (â 1270) wurde zum französischen Nationalheiligen
âą mit dem Albigenserkreuzzug bzw. der Eroberung der Grafschaft Toulouse wurde die religiöse, kulturelle und staatliche Einigung abgeschlossen, die SĂŒdfranzosen standen fortan unter der Herrschaft der Nordfranzosen, das Zusammenwachsen zu einer gesamtfranzösischen Nation beganncite-ref-14[14]
⹠der Gallikanismus trug zur Herausbildung einer von Rom unabhÀngigen katholischen Nationalkirche bei
âą im HundertjĂ€hrigen Krieg behauptete Frankreich seine nationale UnabhĂ€ngigkeit gegenĂŒber einer englischen Dynastie, ein französischer Nationalstaat entstandcite-ref-15[15]cite-ref-16[16], das durch den Hass auf die englischen Truppen in breiten Bevölkerungskreisen umfassend belebte NationalgefĂŒhl fĂŒhrte zur Herausbildung einer französischen Nationcite-ref-17[17], Jeanne dâArc (â 1431) wurde (neben Ludwig) zur Nationalheiligen (in gegenseitiger Abgrenzung voneinander entstand neben der französischen so auch die englische Nation)
⹠die Gefahr eines burgundischen Gegenreiches wurde durch die Aufteilung des burgundischen Erbes abgewendet und der französische Nationalstaat abgerundet
Vor dem Hintergrund einer möglichen Spaltung der Nation in Katholiken und Hugenotten hatte der Dichter Pierre de Ronsard in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts die erst im Mittelalter erfundene Figur des Francus in seinem Nationalepos verewigt, einen vermeintlich von dem antiken Helden Hektor abstammenden Urahn der französischen Könige, und hatte somit eine Legende erfunden, die die französische Nation sowohl von Troja als auch von Rom abstammen lieĂ.cite-ref-18[18]
Nationalbewusstsein der Neuzeit
Zur endgĂŒltigen Herausbildung eines Nationalbewusstseins kam es bei den Franzosen infolge der Französischen Revolution ab 1789. Die Nation definierte sich nicht im ethnischen Sinn als Abgrenzung von Nachbarvölkern, sondern im demokratischen Sinn als Vertreter des Volkswillens und somit als souverĂ€ner Gegenspieler gegen ein absolutes Königtum. Nicht die Einwohner von Paris oder die französischsprachigen Katholiken, sondern die Delegierten des Dritten Stands proklamierten sich daher zur Nationalversammlung (Ballhausschwur). Die Nation wurde eine Staatsnation, sie bestand nicht primĂ€r aus ethnischen Franzosen, sondern aus Citoyen bzw. dem Wahlvolk mit staatsbĂŒrgerlichen Rechten und republikanischen Idealen.
Die nicht-französischsprachigen StaatsbĂŒrger wurden allerdings durch die Wehrpflicht und spĂ€ter durch die Schulpflicht bzw. die damit verbundene obligatorische Verwendung und Verbreitung der offiziellen Amtssprache assimiliert und französisiert, das Hochfranzösische verdrĂ€ngte z. B. das Okzitanische fast völlig. Das mit dem Papsttum geschlossene Konkordat von 1801 bestĂ€tigte die Mehrheitsstellung des Katholizismus und fĂŒhrte gleichzeitig die Trennung von Staat und Religion ein, bis 1905 mit dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat der Laizismus gesetzlich festgelegt wurde.
Das neue Selbstbewusstsein des sich auf die römische Republik (z. B. Brutus) berufende BĂŒrgertums, das schlieĂlich in der Hinrichtung des Königs (1793) kulminierte, griff in den Revolutionskriegen auch auf die französische Bauernschaft ĂŒber (die damals 90 % der Bevölkerung ausmachte) und entwickelte sich zu einem Sendungsbewusstsein. Die Grande Nation sah sich fortan als VorkĂ€mpfer fĂŒr Demokratie und Freiheit und die Einigung Europas unter französischer Vorherrschaft, was auch nach der Niederlage Napoleons anhielt (Julirevolution von 1830, Februarrevolution 1848, Pariser Kommune 1871, Studentenrevolte 1968). Marianne wurde zum Symbol der Freiheit und zum idealistischen Prototyp der französischen Frau.
Napoleon I. allerdings hatte schon 1799 das römisch-republikanische Vorbild durch das römisch-imperiale Vorbild (Caesar) ersetzt und eine französische Vorherrschaft wie schon unter Karl dem GroĂen und dem Sonnenkönig Ludwig XIV. angestrebt. Als ReprĂ€sentant der VolkssouverĂ€nitĂ€t krönte sich Napoleon zum Kaiser der Franzosen (empereur des Français), nicht zum Kaiser von Frankreich. Das 50-Millionen-Einwohner-Kaiserreich schloss Millionen Deutsche, NiederlĂ€nder, Italiener und Kroaten als französische StaatsbĂŒrger ein. Die bourbonische Restauration bemĂŒhte sich, die bĂŒrgerlich-freiheitlich-republikanischen Ideale durch religiös-monarchistische Inhalte zu ersetzen, (so wurden die 1823 zur Niederschlagung der liberalen Revolution in Spanien einfallenden bourbonischen Truppen als die â100.000 Söhne des heiligen Ludwigâ bezeichnet, die Dominikanische und Jesuitische Mission in Ăbersee wurde gefördert). Doch spĂ€testens seit der Orientkrise bzw. der Rheinkrise von 1840 kam wieder eine nationalistische Note hinzu, die religiöse Komponente geriet spĂ€testens mit dem Ende der Monarchie und der französisch-spanischen Intervention zugunsten des Papstes in Rom ins Hintertreffen. Ab 1852 propagierte Napoleon III. zudem Panlatinismus. So entstand auch auf kolonialistischem Gebiet ein zivilisatorisches und missionarisches Sendungsbewusstsein, welches nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg auch einen revanchistischen Chauvinismus hervorbrachte und kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1919) in einem erneuten französischen Hegemonieanspruch ĂŒber Europa fĂŒhrte.
Eine Erneuerung des französischen Nationalbewusstseins auf der Rechten bewirkte in der Nachkriegszeit der Gaullismus: Anstelle der katholisch-konservativen oder faschistischen Ideen trat ein positiver Bezug auf die Errungenschaften der Französischen Revolution (und in deren Gefolge der republikanischen Staatsform und des Laizismus) und die Leistungen der RĂ©sistance, der beiden modernen GrĂŒndungsmythen Frankreichs.cite-ref-19[19] Im SelbstverstĂ€ndnis der Französischen Republik ist die französische Nation keine ethnische Gruppe, die französische Verfassung lehnt den Gedanken an eine ĂŒber die StaatsbĂŒrgerschaft hinausgehende ethnische Zuordnung ab.cite-ref-verf-20-0[20] Dem stehen nationalistische bzw. rassistische Auffassungen entgegen, die französischen StaatsbĂŒrgern, die aus Gebieten auĂerhalb des europĂ€ischen Frankreich stammen, aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder ethnischen Herkunft die Zugehörigkeit zur französischen Nation absprechen.
Hundert Millionen Franzosen
Bereits 1868 hatte der amerikanophile Publizist und Frankreichs spĂ€terer US-Botschafter Lucien-Anatole PrĂ©vost-Paradol seinen Kaiser Napoleon III. auf Frankreichs Bedeutung im Mittelmeerraum hingewiesen und gemahnt, dass es bis zu 100 Millionen Franzosen auf beiden Seiten des Mittelmeeres bedĂŒrfe, um einem weltpolitischen Hegemonieanspruch gegenĂŒber angelsĂ€chsischen, deutschen und russischen Rivalen ausreichend Geltung zu verschaffen. Die koloniale Expansion (nach Marokko und Tunesien) sollte âLebensraumâ und âVolkskraftâ fĂŒr ein entsprechendes Bevölkerungswachstum bereiten.cite-ref-21[21]
Zum Zeitpunkt seiner gröĂten Ausdehnung (zwischen den beiden Weltkriegen) hatte das (Zweite) Französische Kolonialreich etwa 45 Millionen Einwohner, das französische Mutterland (France mĂ©tropolitaine) zĂ€hlte etwa 40 Millionen, wĂ€hrend der âErbfeindâ Deutschland bzw. das zusammenhĂ€ngende Siedlungsgebiet der Deutschen in Mitteleuropa etwa 80 Millionen Einwohner zĂ€hlte. Bis 1960 war die Bevölkerung Frankreichs auf knapp 46 Millionen angestiegen, doch hatte Frankreich inzwischen einige Kolonien verloren (Syrien/Libanon 1943/46, Indochina 1953/54, Französisch-Indien 1949/56, Marokko und Tunesien 1956/57, Guinea 1958). Die Bevölkerung der verbliebenen Kolonien war auf knapp 54 Millionen gewachsen.cite-ref-22[22]
Assimilationspolitik
Bereits 1848 bzw. 1871 hatte Frankreich Algerien und 1916 die vier wichtigsten StĂ€dte des Senegal (Quatre Communes) zu integralen Bestandteilen Frankreichs erklĂ€rt, ein Teil der Einwohner erhielt französische BĂŒrgerrechte, mit denen vor allem auch die Wehrpflicht verbunden war. So wurde Blaise Diagne, der BĂŒrgermeister von Dakar, in die französische Nationalversammlung gewĂ€hlt, wĂ€hrend Hunderttausende Algerier und Senegalesen in beiden Weltkriegen auf französischem Boden fĂŒr Frankreich kĂ€mpften und fielen. Insgesamt 1,5 Millionen zusĂ€tzliche Soldaten hielt Frankreich so in seinen Kolonien in Reserve.cite-ref-23[23]
Im Rahmen einer âAssimilationspolitikâ band Frankreich stĂ€rker als etwa GroĂbritannien, Belgien oder Portugal einheimische Eliten in die Verwaltung seiner Kolonien ein, um das kolonialistische System zu ergĂ€nzen und zu verschleiern. So gab es auf Guadeloupe bzw. im Tschad erstmals einen schwarzafrikanischen Gouverneur, FĂ©lix ĂbouĂ©, der sich dann 1940 als erste französische Kolonie dem âFreien Frankreichâ um General Charles de Gaulle anschloss und damit die Tradition des republikanischen Frankreich gegen die der konservativen Restauration unterstĂŒtzte. Der ehemalige Kolonialminister Jacques Stern warb fĂŒr die Assimilation der âfarbigenâ Franzosen.
Doch die der einheimischen Bevölkerung gewĂ€hrten BĂŒrgerrechte blieben zunĂ€chst eingeschrĂ€nkt und wenigen vorbehalten, die laizistische Republik enthielt z. B. der Mehrheit der algerischen Muslime die vollen BĂŒrgerrechte vor, was letztlich zum Scheitern der âAssimilationspolitikâ mit beitrug.cite-ref-24[24] Nach 1945 versprach die Französische Vierte Republik eine gleichberechtigte Integration, neben Algeriern und Senegalesen wurden 1945 alle Einwohner der Kolonien formal gleichberechtigte Citoyens, doch erst 1957 ersetzte das allgemeine Wahlrecht eine die Einheimischen der Kolonien benachteiligende Wahlrechtsordnung.cite-ref-25[25]
Französische Union und Französische Gemeinschaft
An die Stelle des Kolonialreichs trat 1946 eine Union française (Französische Union) zwischen dem Mutterland und den in autonome Tochterrepubliken umgewandelten verbliebenen Kolonien, 1958 dann die CommunautĂ© française (Französische Gemeinschaft). Bereits die Volksfrontregierung LĂ©on Blum hatte 1937 eine solche Union angestrebt. AuĂenpolitik, Verteidigung, Finanzwesen, langfristige Wirtschaftsplanung, strategische Rohstoffe, die Kontrolle des Justiz- und des Bildungswesens sowie der Kommunikationssysteme sollten unter ZustĂ€ndigkeit der Union bzw. der Gemeinschaft bleiben. Statt StaatsbĂŒrgerschaften der einzelnen Mitgliedsrepubliken gab es nur die StaatsbĂŒrgerschaft der Union, die allerdings nicht identisch mit der französischen StaatsbĂŒrgerschaft war. Amtssprache war Französisch.cite-ref-26[26]
âą âDas Kolonialreich ist tot. An seiner Stelle errichteten wir die Union. Frankreich bereichert, geadelt und vergröĂert, wird morgen 100 Millionen BĂŒrger und freie Menschen besitzen.â (Pierre Cot)cite-ref-27[27]
âą âFrankreich hat seinen Traum eines Imperiums von 100 Millionen Franzosen nicht aufgegeben.â (Ralph Bunche)cite-ref-28[28]
Doch 1960 brach die angestrebte Gemeinschaft von 100 Millionen frankophonen StaatsbĂŒrgern endgĂŒltig zusammen, die autonomen Republiken wurden unabhĂ€ngige Nationalstaaten, Algerien folgte 1962. Bis 1980 lösten sich auch noch die Komoren, Dschibuti und Vanuatu von Frankreich. Zumindest einen ideellen (und ansatzweise auch wirtschaftlichen) Zusammenhalt versuchen Frankreich, Kanada, Belgien und die ehemaligen Kolonien seit 1970 in der Frankophonie weiterhin zu pflegen.cite-ref-29[29]
Geburtenrate und Immigration
Dennoch wurde das Schlagwort von âHundert Millionen Franzosenâ auch in der Folgezeit immer wieder von französischen und afrikanischen Politikern aufgegriffen und neu abgewandelt. Eine alternative Deutung kam dem Nachkriegsplan de Gaulles und Michel DebrĂ©s zu, durch zahlreiche staatliche VergĂŒnstigungen und Erleichterungen die Geburtenrate bzw. das Bevölkerungswachstum Frankreichs zu fördern.cite-ref-30[30] Dies war auch eine Erfahrung aus der militĂ€rischen Niederlage gegen Nazi-Deutschland 1940. Schon das Vichy-Regime unter Marschall PĂ©tain hatte eine Steigerung der Geburtenrate, damals die niedrigste in Europa, zu erreichen versucht, eine Politik, die in der Nachkriegszeit â begĂŒnstigt durch zunehmenden wirtschaftlichen Wohlstand â beibehalten wurde, ab ca. 1960 verstĂ€rkt durch Einwanderung.
âą Es mĂŒssen 100 Millionen Franzosen sein. Wenn das nicht durch Geburten zustande kommt, dann durch Einwanderung. (Michel DebrĂ©)cite-ref-31[31]
TatsĂ€chlich haben zwischen 14cite-ref-32[32] und 15cite-ref-33[33] Millionen (22â23 %) der heute 64 Millionen Einwohner Frankreichs einen Migrationshintergrund, deren Elternteile und Vorfahren sind aber gröĂtenteils Einwanderer aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Seit der UnabhĂ€ngigkeit der Kolonien sind in mehreren Wellen Millionen nordafrikanische und westafrikanische Einwanderer in das ehemalige Mutterland gekommen, als Kinder von UnionsstaatsbĂŒrgern haben viele von ihnen laut Gesetz AnsprĂŒche auf die französische StaatsbĂŒrgerschaft. Viele Immigranten wohnen in seit den 1970er Jahren entstandenen Neubausiedlungen in der Banlieue am Rande der französischen GroĂstĂ€dte. Die Integration dieser Immigranten ist bisher nur unvollstĂ€ndig gelungen, was Unbehagen ĂŒber Einwanderung und ĂberfremdungsĂ€ngste unter den einheimischen Franzosen fördert, die u. a. zu Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien wie des Front national fĂŒhrten.
Nach Ansicht des britischen Historikers und Autors Paul Johnson wĂŒrde die französische Nation, sollte sie denn jemals 100 Millionen erreichen, zur HĂ€lfte aus nordafrikanischen Muslimen bestehen. Dem mĂŒsse Westeuropa durch höhere Geburtenraten entgegenwirken, polemisierte Johnson 2006 in der Jewish World Review.cite-ref-34[34] Dezidierter hatte sich bereits Adolf Hitler in Mein Kampf geĂ€uĂert, als er Frankreich wegen seiner Assimilationspolitik als âvernegertâ geiĂelte.cite-ref-35[35] Doch auch der satirische Simplicissimus hatte schon 1904 die französische Kolonialpolitik als âRassenvermischungâ karikiert.
Erst 1995 wurde die inhaltslos gewordene CommunautĂ© auch formaljuristisch aufgelöst. Alle ehemaligen Mitgliedstaaten (Frankreich und die Tochterrepubliken, einschlieĂlich Togo und Kamerun) zusammen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits fast 200 Millionen Einwohner, die ehemaligen Staaten der Union sogar ĂŒber 330 Millionen. Weltweit gibt es jedoch nur etwa 131 Millionen frankophone Muttersprachler, etwa 60 Millionen davon in Afrika (Haarmann). In jenen 32 Staaten der Welt, in denen Französisch Amtssprache ist, leben 88 Mio. Muttersprachler.cite-ref-nyt-36-0[36]
Frankreich hat heute etwa 64 Millionen Einwohner, 94 % davon sind französische StaatsbĂŒrger (MSN Encarta). FĂŒr 86 %cite-ref-nyt-36-1[36] bzw. 88 % (Haarmann) von ihnen ist Französisch die Muttersprache.
Religion
Die Mehrheit der Bevölkerung ist katholisch, wobei die Angaben von 51 % (Le Monde des religions) ĂŒber 64 % (AuswĂ€rtiges Amtcite-ref-37[37]) und 75 % (Fischer Weltalmanach 2010) bis 88 % (CIAcite-ref-38[38]) reichen. Etwa 5 Millionen (8 %) sind Muslime vor allem aus Nord- und Westafrika. Daneben gibt es 1â3 % Protestanten und Juden, der Rest sind vor allem Atheisten und Konfessionslose. Nach einer Studie des PewResearch Center aus dem Jahr 2008 bezeichnet sich nur eine Minderheit von 37 % der Franzosen als âreligiösâ (darunter 9 % als âsehr religiösâ). Beides sind unter den untersuchten Staaten die niedrigsten Werte. Die Studie offenbart zudem Vorurteile gegenĂŒber Muslimen und Juden.cite-ref-39[39]
Die nichtkatholischen Franzosen waren bereits durch die Hugenottenkriege (bis 1598) bzw. durch die Aufhebung des Edikts von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau (1685) faktisch ausgeschlossen und vertrieben worden. Francophone Schweizer, die mehrheitlich calvinistisch bzw. reformiert sind, bezeichnen sich daher selbst selten als Franzosen. Die katholischen Wallonen gelten jedoch als Französische Gemeinschaft Belgiens.
Bis 1960 hatten (katholische) Christen etwa 45 % und Muslime ĂŒber 30 % der 100 Millionen Franzosen ausgemacht (ĂŒber 30 Millionen Muslime und 10 Millionen Christen allein in den afrikanischen Tochterrepubliken), vor 1958 (Verlust Marokkos, Tunesiens und Guineas) war der Anteil der Muslime noch höher. (Hinzu kamen die Buddhisten aus Indochina.)
Sonstige Einwanderung
Im 19. und 20. Jahrhundert kamen viele Einwanderer aus Osteuropa, Westasien und Indochina, unter anderem Polen, Armenier und Libanesen, die in der Bevölkerung aufgingen. BerĂŒhmte Beispiele sind hier Marie Curie und der armenischstĂ€mmige ChansonsĂ€nger Charles Aznavour.cite-ref-diercke-4-2[4] Schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kamen zahlreiche Italiener, seit den 1960er Jahren auch Portugiesen als Gastarbeiter ins Land und blieben oft auch dauerhaft, italienische Vorfahren hat u. a. die FuĂballlegende Michel Platini. Vor allem im SĂŒden Frankreichs siedelten sich nach der Niederlage der Linken im Spanischen BĂŒrgerkrieg zahlreiche politisch verfolgte Spanier und Katalanen an (âRotspanierâ), u. a. der Vater von Raymond Domenech. Auch als Söldner in der Fremdenlegion haben zahlreiche AuslĂ€nder die französische StaatsbĂŒrgerschaft erworben.
Siehe auch
:
Einwanderung#Einwanderung nach Frankreich
Bevölkerungsgruppen französischer Abstammung
Bereits im 17. und 18. Jahrhundert hatten französische Auswanderer Kolonien in Ăbersee gegrĂŒndet, die Siedlungen bestanden auch nach dem Verlust des (Ersten) Kolonialreichs (1763) fort. Nachfahren französischer Auswanderer sind in Kanada die QuĂ©bĂ©cois,cite-ref-40[40] die Akadiercite-ref-41[41] und die frankophonen Kanadier (âFranko-Kanadierâ) der anderen Provinzen, zusammen ĂŒber 7 Millionen frankophone Muttersprachler.cite-ref-nyt-36-2[36] Die StaatsbĂŒrger der Vereinigten Staaten, die französische Vorfahren haben, nennt man Franko-Amerikaner. Ein GroĂteil sind Französische Kanadier, die in der Industrialisierung nach Neuengland eingewandert sind. Zudem gibt es von franko-kanadischen Auswanderern abstammende Cajuns und frankophone Kreolen im US-Bundesstaat Louisiana, wo eine Mehrheit der US-Amerikaner dieses Staates französische bzw. kreolische Vorfahren hat,cite-ref-42[42] aber nur noch 4,7 % Französisch als Muttersprache sprechen.cite-ref-43[43]
Insgesamt haben 9.616.700 US-Amerikaner (2,8 %) französische oder kreolische und weitere 2.184.200 (0,6 %) franko-kanadische Vorfahren,cite-ref-44[44] doch nur noch 1.355.800 (0,5 %) sprechen Französisch und weitere 629.000 (0,2 %) kreolisch als Muttersprache. Von diesen Französisch-Muttersprachlern beherrschen nur 21,8 % Englisch gegenĂŒber 43,3 % der Kreolen.cite-ref-45[45] Zudem leben 600.000 französische StaatsbĂŒrger als AuslĂ€nder in den USA.cite-ref-narod-46-0[46]
Daneben gibt es viele Ethnien, die teilweise französischer Herkunft sind, wie die Métis in Nordamerika (indianischer Abstammung), Kreolen der Karibik und Afrikas (französischer und afrikanischer Abstammung, in der Karibik auch indianische Wurzeln) und die Europolynesier (französischer und polynesischer Abstammung).
Ein GefĂŒhl der NĂ€he und Verbundenheit empfinden viele Franzosen gegenĂŒber anderen frankophonen Nationen und Ethnien auf der Welt, wie den belgischen Wallonen, den Schweizer Romands oder den kanadischen QuĂ©bĂ©cois. Letztere werden oft als âCousinsâ bezeichnet, was jenseits des Atlantiks als abwertend empfunden wird. Zwischen Romands und Wallonen leben noch 120.000 französische StaatsbĂŒrger in Belgien und 75.000 in der Schweiz. Weitere 300.000 Franzosen leben in Italiencite-ref-narod-46-1[46], hinzu kommen 200.000 frankophone Valdostaner im italienischen Aostatal.
Auch nach Deutschland kamen französische Einwanderer, die mit der Zeit assimiliert wurden. Eine wichtige solche Einwanderergruppe waren im 17. und 18. Jahrhundert die Hugenotten, die auĂer in den Niederlanden und England und deren Kolonien auch in der Schweiz und in den protestantischen deutschen Staaten, vor allem in Brandenburg-PreuĂen, Zuflucht fanden.cite-ref-47[47] Der Anteil der Hugenotten in Berlin machte um 1700 etwa 20 %, um 1800 etwa 10 % und um 1900 noch gut 1 % aus.cite-ref-48[48]
Siehe auch
:
Geschichte Kanadas
Siehe auch
Literatur
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Einzelnachweise
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